Freitag, 3. Dezember 2010

Eine Audienz beim Häuptling

Obwohl Ghana eine parlamentarische Demokratie ist, sind die traditionellen Königs- und Häuptlingsstrukturen weiterhin von großer Bedeutung. Dabei steht die moderne, gewählte Regierung den traditionellen Häuptlingen und Clans gegenüber. Und obwohl die traditionellen Herrscher offiziell nur eine beratende Funktion innehaben, werden sie vor allen wichtigen politischen Entscheidungen auf höchster Ebene konsultiert.
Auf höchster Ebene stehen verschiedene Könige von Volksstämmen, wie z.B. den Ashanti. Diesen Königen folgen Gebietshäuptlinge und denen wiederum die lokalen Häuptlinge eines Clans, die für die alltäglichen Angelegenheiten vor Ort zuständig sind.



Häuptling während des Asafotufiami Festivals
Einer dieser lokalen Häuptlinge, der Paramount Chief von Ada, wohnt ganz bei uns um die Ecke. Er ist der „große“ Häuptling, der für den gesamten District zuständig ist und diverse "kleine" Häuptlinge unter sich hat.
Vor einer Weile haben wir eine Audienz bei diesem Häuptling erbeten, da wir die Erlaubnis brauchten, uns in den heiligen Wald zu begeben und einige Schreine dort zu besichtigen und die Geschichte dazu aufzuschreiben. Denn für unser Tourismusprojekt sind wir dabei, alle Attraktionen des Districts zu recherchieren um sie dann zu vermarkten.

Bei unserem ersten Besuch im Palast  wurde uns gesagt, wir müssten den Häuptlingsassistenten für eine Audienz zwei Flaschen Schnaps („denn der Häuptling hat ja zwei Beine“!) abkaufen, die 30 Cedi kosten (also etwa 15 Euro). Nach kurzer Beratung beschlossen wir, die Flaschen auf dem Markt für die Hälfte des Preises zu kaufen. Ein paar Tage später gingen wir also mit unseren zwei Flaschen zum Palast und haben uns erneut den Assistenten des Häuptlings vorgestellt. Nach einigem Hin und Her wurde klar, dass eigentlich nicht die zwei Flaschen, sondern vielmehr die 30 Cedi für den Häuptling von Interesse sind. Ob wir denn wohl glauben, er wäre ein Alkoholiker? Lange Beratung, lange Warten und dann wurde gesagt, so könne man uns nicht in den heiligen Wald lassen. Wir sollen nächste Woche wiederkommen und die zwei Flaschen inklusive einem kleinen "Geschenk" mitbringen. So wurden wir entlassen, ohne zu wissen, was genau das Geschenk wohl sein sollte.

Und so geht es hier häufig. Zeitplanung ist sehr schwierig und immer wieder kommt etwas dazwischen. Nach einer Weile merkt man, dass man nur vorankommt, wenn man sich nicht auf seine Planung versteift, sondern immer flexibel auf aktuelle Entwicklungen eingeht.
Häuptling während des Asafotufiami Festivals

Und so waren wir nicht noch ein drittes Mal beim Häuptling, sondern haben herausgefunden, dass es im Ort auch einen Fetischpriester gibt, der sich mit dem heiligen Wald sehr gut auskennt, und uns für zwei Flaschen Schnaps ohne Geschenk dahinführen wird.

Leider haben wir den Wald bis heute nicht gesehen. Die Schnapsflaschen sind beim Priester abgeliefert, aber der Termin wird fast täglich verschoben. Zwei Wochen haben wir noch Zeit – es bleibt spannend, ob wir den Wald jemals sehen werden.

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