Freitag, 27. August 2010

Ein Rahmen Fisch und eine Dose Zucker

„Ein halbes Kilo Tomaten bitte“, ist ein Satz, der auf einem ghanaischen Markt garantiert nicht verstanden wird (selbst wenn er auf Englisch, Dangme oder sonst einer Sprache gesagt wird). Man kauft Tomaten in der Maßeinheit „Korb“ oder sagt einfach, man möchte für 1 Cedi Tomaten haben. Wünsche wie „3 Tomaten“ werden auch nicht verstanden – man bekommt dann einfach Tomaten für 3 Cedi, was aktuell 3 Körben entspricht.

Weitere uns bereits bekannte Maßeinheiten sind Häufchen (bei Zwiebeln, die kunstvoll aufgeschichtet werden), Dosen (bei Zucker und Reis, die dann in eine Tüte umgefüllt werden), Handvoll (bei Peperoni – auch bei den scharfen) und Rahmen (bei Fischen). Letzteres haben wir nicht auf dem Markt  sondern am Strand beobachtet. Die gefangenen Fische wurden durch einen rechteckigen Rahmen geschüttet, so dass ungefähr gleich hohe Haufen entstehen. Diese Mengen werden dann auf den Markt gebracht und dort verkauft.

„Unser“ Markt in Kasseh findet immer dienstags und freitags statt und diese Woche haben wir uns zum ersten Mal allein, das heißt ohne einheimische Begleitung, dorthin gewagt. Wir wollten Vorräte kaufen, die trotz fehlendem Kühlschrank eine Weile halten. Denn bisher kaufen wir noch jeden Tag ein: morgens Bananen für den Porridge und abends meistens ein warmes Essen von einem der Straßenstände. Einerseits weil uns Planen hier so schwer fällt (wir passen uns an) und andererseits weil Essen, das da ist, auch immer verschwindet. Es ist kurios, aber egal wie viele Bananen wir morgens kaufen – sie sind nach einer Weile verschwunden...


Die engen Gassen des Marktes sind gefüllt von einkaufenden Menschen, verkaufenden Menschen, rumstehenden und sich unterhaltenden Menschen und Menschen, die Musik machen und auf ein Trinkgeld hoffen. Der Markt scheint Frauensache zu sein, denn sehr viel mehr Frauen als Männer schieben sich durch die Gänge zum einkaufen, viele mit einem Kleinkind auf dem Rücken. Jungen ziehen große Karren, auf denen die Ware transportiert wird. „Ago“ ist das  Wort, was man ständig hört – so etwas wie „Achtung“, „aus dem Weg“, wenn sie versuchen, sich einen Weg zu bahnen. Zur besseren Übersicht besitzt der Markt gut sortierte Abteilungen: Es gibt eine Gemüseabteilung, eine Fischabteilung, eine Drogerieabteilung mit Seife und Toilettenpapier, einen Baumarkt mit allen möglichen Werkzeugen und Baumaterialien, eine Fleischabteilung, eine Klamottenabteilung mit fertigen Kleidern sowie bunten Stoffen und die dazugehörige Schneiderabteilung, wo man den gekauften Stoff gleich verarbeiten lassen kann.

Immer wieder kommt die Frage nach dem Handeln auf. Theoretisch wird in Ghana sehr gern gehandelt und wir sehen Ghanaer auch immer diskutieren bevor sie etwas kaufen. Allerdings gilt das nicht für alles. Fertigprodukte wie Nudeln oder Öl sind recht teuer und haben einen festen Preis. Yams und Fisch dagegen, die in sehr unterschiedlichen Größen verkauft werden, haben variable Preise, die gewöhnlich verhandelt werden. Aber bei uns will es noch nicht so richtig klappen. Ob das nun an unserer Hautfarbe liegt oder unserem mangelnden Durchsetzungsvermögen wird sich in der nächsten Zeit zeigen.

5 Kommentare:

  1. Wie schmeckt denn das Bier in Ghana?
    Viele Grüße von RoSi aus Maichingen!
    Wir hoffen, dass auch Micha trotz Lärm mit seiner Arbeit vorankommt!

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  2. Was gibt es denn für Gerichte bei den Straßenhändlern?

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  3. Na das hört sich ja sehr spannend an, was ihr da erlebt. Viel Spaß noch für die restlichen Monate.

    Viele Grüße von Oma Christa und Björn sowie den restilchen "Socken"

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  4. Bier ist super, wahrscheinlich vor allem weil es das Einzige mit Geschmack ist, das wir hier trinken. :-)
    Über die ghanaischen Gerichte ist ein eigener Eintrag geplant - das hätte den Rahmen des ersten gesprengt... Als kleiner Vorgeschmack: meistens ist Mais im Spiel und die Form ist fast immer Brei oder Kloß.

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  5. Könnt Ihr denn Eure Einkaufskörbe auch schon so schick auf dem Kopf tragen?
    Grüße aus dem Kinobauer
    Matthias

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